Anxieties - Leben mit meinen "Monstern"

In diesem Post möchte ich Euch mehr über mein Leben mit der Angststörung erzählen, ich werde mich bemühen dass der Text nicht allzu wehleidig klingt, dass möchte ich keinesfalls rüber bringen. 

Wann genau es angefangen hat oder was der Auslöser war kann ich nur grob schätzen und vermuten.
Mein erste Panickattacke hatte ich 2010 in einem Supermakrt an der Kasse, mir wurde schwindelig, mein Herz fing an zu rasen, ich bekam schwitzige und zittrige Hände. Bin dann für 500m Heimweg mit dem Taxi nach Hause gefahren. 
Allerdings hatte ich dieses Erlebnis schnell wieder vergessen und mein Leben ging seinen normalen Gang, alles gut, dachte ich. 
Im Sommer, ebenfalls 2010, die zweite Panikattacke im Einkaufszentrum, wieder Schwindel, nervös ohne Ende, es war schrecklich ich wusste ja nicht was das ist und vor allem warum. Nie zu vor hatte ich Panik unter Menschen, beim Einkaufen oder in Bahn. 
Schließlich bin ich mit 16 nach Berlin gezogen, alleine und hatte vor gar nichts Angst.  

Aber auch nach diesem Vorfall machte ich mir nicht weiter Gedanken darüber, alles ging weiter wie gewohnt.
Zum Ende des Jahres wurde es dann immer schlimmer, ich hatte ständig Magenschmerzen, Übelkeit, fühlte mich krank. Mein Körper signalisierte mir "Du bleibst zuhause", ich sagte Termine ab, ließ mich krankschreiben. Mein damaliger Freund erledigte jegliche Einkäufe für mich ( dafür bin ich heute noch sehr dankbar auch wenn er in anderer Hinsicht ein A**** ist).
Es ging soweit dass ich mich komplett zuhause einigelte. Dann bekam ich ein Job Angebot aus Frankfurt für ein Shooting, ich rung mit mir und überlegte wie ich dass schaffen sollte, alleine 6h mit dem Zug fahren und Abends wieder nach Hause. Ich sagte zu, nahm all meinen Mut zusammen und fuhr nach Frankfurt. 
Ich bekam nichts zu essen runter, mein Magen machte Saltos, ich trank Kamillentee um mich etwas zu beruhigen. 
Kurz vor der Rückfahrt drehte mein Körper so sehr durch dass ich Durchfall bekam ( ich weiß ein unschönes Detail), der Fotograf war so lieb und begleitete mich zum Bahnhof und holte mir in der Apotheke etwas damit ich "trocken" nach Hause kam.   

Die folgenden Jahre liefen so ab dass ich nur noch in Begleitung meine Wohnung verließ. Ich ließ mich von Ärzten von innen nach außen Krempeln weil ich immer noch das Gefühl hatte ich sei krank, Magen Darm oder was auch immer, ich suchte krampfhaft nach einer Erklärung. Meine Ärzte fanden aber nix, Ich sprach als erstes mit meiner Hausärztin über meine Symptome, nach dem ich Dr. Google gefragt hatte und auf Agoraphobie stieß. 
Sie bestätigte meine Vermutung und verschrieb mir ein leichtes Antidepressivum welches Angstlösend wirken sollte. Ich nahm davon eine Tablette, vielleicht war es Einbildung aber ich bekam noch mehr Herzrasen und so blieb ich wieder zu Hause. 
Mein Freundeskreis wurde dadurch auch immer kleiner, weil kaum einer versteht wenn man sagt "Hey, ich kann nicht zu Dir kommen, ich kann nicht mit der Bahn fahren" 
Ich durfte mir Sprüche anhören wie "Geh doch einfach raus - ist doch nix dabei", schön wär's, Danke für nichts. 
Meiner Mama erzählte ich erst sehr spät davon, eigentlich erst, als sie enttäuscht war dass ich sie nicht mehr besuchen kam. Der Weg bis ins Sauerland war für mich unendlich weit und die Vorstellung dass ich zwei mal hätte umsteigen müssen lies mich erschaudern. 

Aber ich wollte etwas ändern, also suchte ich nach einen Psychotherapeuten, viel kann ich dazu nicht sagen, ausser dass sie im Grunde nichts machen als mit einem zu reden, Rezepte auststellen und man seine eigene Laborratte wird.
 
Im Janaur 2013 lernte ich meinen jetzigen Freund kennen, ich war frisch verliebt und meine "Monster", wie ich meine Ängste sanft nenne, wurden plötzlich ganz klein, ich wäre fast geplatzt vor Stolz als ich das erste mal seit Jahren alleine Einkaufen war und das erste mal wieder mit dem Bus und der Ubahn gefahren bin.

Ich fühlte mich frei, als könne ich fliegen.  

Meine Monster allerdings waren stark und übernahmen nach einigen Monaten wieder die Führung. Meinem Freund erzählte ich davon noch bevor wir zusammen kamen, ich war sehr erleichtert mit welch einem Verständnis und Fürsorge er das alles aufnahm.
Solch eine Reaktion war ich absolut nicht gewohnt. 
Aber es ging wieder zurück in alte Verhaltensmuster, ich ging immer nur mit meinem Freund raus, da er ein Auto hat, bin ich nicht mehr die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. 

Und so ist es bis heute, mein Freund ist fast immer an meiner Seite, ich kämpfe mit allen Mitteln dagegen an.  
Die Suche nach einem Medikament habe ich aufgegeben, ich will meinen Körper und Geist nicht mit Chemie strafen und dazu zwingen gesund zu werden, ich möchte Ihm Wohlbefinden schenken und Gesundheit zurück bekommen . Nach meinem letzten Erlebnis mit einem Medikament rühre ich nichts mehr in dieser Richtung an, ich hatte wahrlich alle Nebenwirkungen die auftreten konnten, das machte die Ängste nicht besser. 

Ich bin sehr stolz darauf was ich in den letzten Wochen alles bewältigt habe, wir waren im Sauerland und so viel in Berlin unterwegs um Fotos für meinen Blog zu machen.
Zwar wieder in Begleitung, aber es ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.
Mein nächster Schritt oder besser gesagt mein Vorsatz für die nächsten Wochen, dass ich mindestens 1 mal pro Woche etwas alleine mache, und sei es nur der Weg zum Bäcker oder einfach mal eine Runde mit der Ringbahn und am Fenster rausschauen.  
Ich habe so mein kleines Helferlein wenn sich eine Panikattacke ankündigt, in meiner Handtasche ist immer ein kleines Fläschchen Japanisches Heilpflanzen Öl, es ist wirklich sehr minzig, davon mache ich mir einen kleinen Tropfen für die Handoberfläche und lecke diesen ab.
Die Leute schauen manchmal ganz komisch wenn ich ein kleines Fläschchen aus meiner Tasche hole 🙈😂 
Ich weiß nicht genau warum es hilft, aber es hilft und das ist für mich die Hauptsache. 

Mein Wohlbefinden ist mir deswegen so wichtig weil, je wohler ich mich fühle desto selbstbewusster werde ich und desto kleiner und leiser werden meine Monster.  

Es gibt allerdings Tage an denen fühle ich mich eigentlich ganz gut, dann kommt plötzlich diese wirklich widerliche Übelkeit, begleitet von Schwindelanfällen und das Gefühl dass mein Frühstück gleich den Rückwärtsgang einlegt. 
Ich sitze dennoch an meinem Tischlein und arbeite fleißig an meinem Blog, in der Hoffnung dass mich das so sehr ablenkt und meine Übelkeit wieder verschwindet. 
Meine Monster rächen sich auch gern an mir wenn ich Spass hatte, vor circa 2 Wochen habe ich Abends mit meinem Freund und einem langjährigen Schulfreund aus dem Sauerland ein bisschen gefeiert. Nachts wurde ich dann wach weil mir richtig übel schwindelig war, es war kein Schwindel vom Alkohol trinken, der fühlt sich anders an. 
Diese "Angriffe" habe ich leider sehr häufig in letzter Zeit, aber ich boxe mich da durch und mache weiter! 
Wie ihr seht, ich versuche zwar immer alles positiv zu sehen und mich wohl zu fühlen aber auch bei mir läuft manchmal alles durcheinander und absolut beschissen. 

Aufstehen, Krone richten, weiter machen :)  

Wie in meinem Meet Up beschrieben möchte ich Euch mit auf meine Abenteuer nehmen, vielleicht findet sich der ein oder andere in meinen Texten wieder oder hat ähnliches erlebt.  

Schreibt doch mal in die Kommentare ob Ihr selbst schon solche Erfahrungen gemacht habt oder schreibt mir hier eine Nachricht. 

  

xoxo, eure Kristina  🌸